Aus is’ und gar is’ und schad is’, dass’ wahr is’!

Heute ist der 13. März. Genau heute vor fünf Monaten sind wir vom Münchner Flughafen aus in die große, weite Welt aufgebrochen. Heute vor sechs Tagen sind wir dann in unsere kleine, heile Welt zurückgekehrt, mit einer Videokamera weniger und unendlich vielen Erinnerungen mehr. Schon jetzt, so kurz danach, denken wir immer wieder ganz verträumt an bestimmte Momente und sagen uns gegenseitig: “War das nicht schön damals?” oder “Weißt du noch, wo wir da und dort waren/wo wir dies und das gemacht haben?” Ja, es war eine Reise fürs Leben. Es war mit Sicherheit das Größte, was wir bisher in unserem Leben gemacht haben, und vielleicht war es auch das Beste. Auf jeden Fall ist es der Beweis, dass man so viel schaffen kann, wenn man nur mal den ersten Schritt macht – der ist ja bekanntlich oft der schwerste.

Wir sind dankbar für jedes Land, das wir kennenlernen durften. Natürlich haben uns nicht alle gleich gut gefallen (man kann sie aber auch nur schwer vergleichen, weil die Umstände sehr unterschiedlich waren), aber jedes hatte seine Besonderheiten und in jedem haben wir Momente erlebt, die uns ganz besonders berührt haben. Da uns aber schon viele danach gefragt haben: Insgesamt hat uns Neuseeland am besten gefallen. Abraten würden wir von keinem Land – wem sich die Gelegenheit bietet, eines der Länder kennenzulernen, mit allen positiven und negativen Aspekten, der sollte sie auf jeden Fall nutzen.
Wir haben viel gelernt, aber das, was für unser weiteres Leben möglicherweise am wichtigsten ist, ist im Grunde ganz simpel: Wie gut haben wir es doch zuhause! Auch wir haben uns vor der Reise nach etwas anderem, aufregendem gesehnt, aber unterwegs haben wir erkannt, wie kostbar das Leben hier ist, das wir für alltäglich und langweilig hielten. Auf der ganzen Welt träumen Menschen von der Lebensqualität und den hohen Standards, die wir in Deutschland haben. Exzellente Wohnverhältnisse, Infrastruktur, Gesundheitsversorgung, Hygiene, Ernährung und und und – wir mussten erst weit weg fahren, um aus der Ferne zu erkennen, wie glücklich wir uns schätzen sollten. Ich hoffe, dass wir uns diese Erkenntnis dauerhaft bewahren, auch für scheinbar einfache Dinge Dankbarkeit verspüren und so bescheidener und zufriedener leben können.

Auch wenn die letzten Tage vollgepackt waren, haben wir zumindest eine kleine Bilanz gezogen und präsentieren hier allen Zahlenfans einige interessante Ergebnisse:

* 146 Tage
* rund 85 Stunden Flug
* 10 bereiste Länder (oder 11, wenn man den einen Tag Argentinien mitzählt)
* 5 Transitländer
* Übernachtungen in/auf:

  • 22 Hotels
  • 27 Jugendherbergen/Hostels
  • 21 Campingplätze
  • 1 Schiff

* 2 Mietwägen
* 1 Camper
* rund 7500 selbst gefahrene Kilometer
* einige zehntausend nicht selbst gefahrene Kilometer
* zwischen 20 und 23 Kilo Gepäck pro Person
* 1 durchgelatschtes Paar Flipflops
* geschätzte 97 Liter schwarzer Tee und 43 Packungen Kekse
* 45 Souvenirs (Eigen- und Fremdbedarf)
* 74 Postkarten
* 71 Blogbeiträge (dieser hier eingerechnet)
* 117 Kommentare

Was viele besonders interessieren dürfte, sind die Kosten dieser Reise. Wie schon mal erwähnt haben wir kein Problem, diese zu veröffentlichen, also bitte sehr, hier sind sie (immer für zwei Personen):
Ausrüstung 2.124 €
Versicherungen (Reiserücktritt-, Kranken-) 836 €
Impfungen + Medikamente 765 €
Dollar bar (als Universalzahlungsmittel) 200 €
Visagebühren (Vietnam, Kambodscha) 266 €
Flüge 7.264 €
Südamerika-Rundreise 3.520 €
Mietwagen Neuseeland 858 €
Camper Australien 2.373 €
Ausgaben unterwegs (Kreditkarten + Bargeld) 11.413 €

Gesamtkosten 29.619 €

Das ist zwar mehr, als wir gehofft haben (das wäre um 12.000 pro Person gewesen), aber noch im Rahmen, denn wir haben für uns gesagt, dass alles bis 15.000 pro Person in Ordnung ist. Und das haben wir ja ziemlich genau hinbekommen. ;-) Man muss dazu sagen, dass z.B. die Flüge kaum günstiger hätten sein können, weil wir alles an Studenten- und Jugendrabatten ausgeschöpft haben, was wir kriegen konnten. Aber unterwegs haben wir nicht immer nur das billigste genommen, da hätte man noch sparen können, wenn man denn gewollt hätte. Etwa in Neuseeland, wo wir in den Hostels wann immer möglich ein eigenes Doppelzimmer hatten und kein Schlafsaalbett. Aber das war es uns wert, denn es hat die Schlafqualität deutlich erhöht (schließlich gibt es in jedem Schlafsaal mindestens einen Schnarcher – wir sprechen aus Erfahrung), was sich natürlich auf die ganze Verfassung auswirkt – unausgeschlafen hätten wir alles weniger genießen können und weniger von unserem Aufenthalt gehabt. Auch in Vietnam und Kambodscha haben wir nie die ganz billigen Unterkünfte genommen, weil wir einfach keine Lust auf verwanzte Betten und nur tröpfelnde Kaltwasserduschen hatten. Unsere Devise hierbei: Lieber unterwegs etwas mehr ausgeben und dafür die Reise in besserer Erinnerung behalten als sich zu Tode sparen und hinterher auch nicht glücklicher sein. Ich glaube, insgesamt sind die Zahlen ganz gute Richtwerte, wenn man auf einfachem, aber nicht unterstem Niveau unterwegs sein möchte. Wer sich für einzelne Länder oder bestimmte Aspekte genauer interessiert, kann uns gerne kontaktieren, dann machen wir nochmal genauere Auflistungen.

Natürlich möchten wir an dieser Stelle auch Danke sagen: Danke an alle, die uns vor, während und nach der Reise mit Worten und Taten unterstützt haben. Danke an alle, die uns unterwegs mit ihren Wünschen und Gedanken begleitet haben. Danke an alle, die sich für unsere Reise interessiert und den Blog gelesen haben. Danke an alle, die uns auf der Reise schöne Momente bereitet, bei Problemen geholfen oder einfach ein Lächeln geschenkt haben. Und das muss auch gesagt werden: Danke an das Internet, durch das wir Unterkünfte buchen, unseren Kontostand überwachen, Nachrichten schauen, Blogbeiträge schreiben, Fotos sichern und trotz der Entfernung ganz nah bei unseren Familien sein konnten – besonders danke an Skype, durch das ich sogar mit meinen offline lebenden Großeltern telefonieren konnte. Es hat uns das Reisen enorm erleichtert.
Der größte Dank geht natürlich an unsere Familien. Ich liste jetzt nicht alles einzeln auf, ihr wisst selbst, was ihr alles für uns gemacht habt, es war auf jeden Fall sehr viel.
Und ein ganz persönlicher Dank geht an meinen Reisegefährten, besten Freund, Chauffeur, Technikexperten, Schlafsackaufschüttler, Sandburgenbauer, Pfannkuchenbäcker, Mutmacher, Spaßmacher und Lieb-Haber Flo. Ohne dich wäre Flonis Leben nur halb so schön. :-)

Auch wenn mir der Abschied schwer fällt: Das hier ist der letzte Blogbeitrag. Was wir noch zu erzählen haben, werden wir nicht mehr hier erzählen. Die vorhandenen Inhalte bleiben aber weiterhin erreichbar, wer später mal etwas nachlesen will oder nochmal bestimmte Fotos ansehen will, ist herzlich dazu eingeladen.
Geistreiche Schlussworte hab ich nicht.
Also ist jetzt einfach so Schluss.

Schluss.

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Tag 149 – Lagebericht

Seit drei Tagen sind wir jetzt wieder da – aber richtig eingewöhnt hab ich mich noch nicht. Flo hat da weniger Probleme als ich, vor allem mit der Zeitverschiebung. Ich bin nachmittags schon immer so müde, dass ich am liebsten ins Bett gehen würden. Immerhin wusste ich aber heute morgen gleich, wo ich bin. Die letzten beiden Tage dachte ich beim Aufwachen, dass ich in irgendeinem Hotel in Kambodscha bin, und brauchte immer ein paar Sekunden, um zu begreifen, dass die Reise vorbei ist und ich zuhause in meinem eigenen Bett liege. Ich schaue auch öfter mal auf die Uhr und überlege, wie spät es zuhause ist – und dass ich jetzt nicht mehr abends bloggen kann, wenn ich will, dass ihr morgens was zu lesen habt, muss auch erst noch in meinen Kopf. Am schlimmsten ist aber, dass ich ständig denke, es wäre Oktober. Anscheinend möchte mein Gehirn an die letzten Erinnerungen von zuhause anknüpfen und die Reise kommt mir manchmal vor wie ein sehr langer Traum. Ich habe tatsächlich schon mehrmals überlegt, wie wohl Weihnachten dieses Jahr (also eigentlich letztes Jahr) wird. Und dass ich mich langsam mal um ein Geburtstagsgeschenk für Flo kümmern sollte, weil wir eben nicht Oktober, sondern März haben, vergesse ich auch immer wieder.

Eine Sache, die uns aktuell sehr mitnimmt, ist das verschollene Flugzeug der Malaysia Airlines. Natürlich wäre jede Nachricht eines Flugzeugunglücks so kurz nach der Reise ein Schrecken, aber durch die vielen direkten Bezüge ist es noch viel beklemmender. Schließlich sind wir auf den Tag genau einen Monat zuvor an eben jenem Flughafen in Kuala Lumpur in ein Flugzeug eben jener Fluggesellschaft gestiegen. Und auch wenn dieser Flug nach Peking gehen sollte und nicht nach Vietnam wie unserer, so ist das Flugzeug doch vor der Küste Vietnams verschwunden. “Es hätten wir sein können!” – dieser Gedanke kommt uns jedesmal, wenn wir wieder etwas dazu in den Nachrichten hören. Vielleicht hat uns sogar eine der nun vermissten Stewardessen vor einem Monat noch unser Essen serviert. Dieser Vorfall macht uns auf jeden Fall deutlich, wie glücklich unsere Reise verlaufen ist, wie wenig uns tatsächlich passiert ist und wie dankbar wir dafür sein müssen. Das schlimmste Ereignis war ja der Rucksackraub in Santiago – der Verlust der Kamera mit den Speicherkarten schmerzt zwar noch immer, aber wie gering ist das natürlich im Vergleich zu einer solchen Tragödie wie dem verschollenen Flugzeug.

Wir sind also – abgesehen von den oben erwähnten Problemchen bei der Wiedereingewöhnung – sehr froh, wieder zuhause zu sein. Weniger gefährlich, weniger fordernd, viel komfortabler und endlich wieder mit dem Gefühl, eine richtige Basis zu haben. Gleich nach unserer Ankunft haben wir uns übrigens erstmal ein gutes Glas Leitungswasser gegönnt, echtes Münchner Wasser, das man einfach so aus dem Hahn trinken kann – herrlich! :-)

Die nächsten Tage werden dann aber nochmal richtig stressig. Es ist noch nicht mal die ganze Wäsche von der Reise gewaschen und der Kleiderschrank, den ich wegen unserer Untermieter ausräumen musste, wieder vollständig eingeräumt, da steht schon das nächste Großprojekt an: Wir bekommen diese Woche nämlich eine neue Küche. Und damit das alles garantiert nicht zu leicht wird, sind wir auch noch beide erkältet. Aber es hätte mich eigentlich gewundert, wenn wir nicht krank geworden wären, denn wenig Schlaf + viel Stress + Temperatursturz kann eigentlich nur Erkältung ergeben.

Unsere Katzen haben uns immerhin sehr wohlwollend wieder aufgenommen. Ich hatte mit einer längeren Phase des Beleidigtseins gerechnet, mindestens so lang wie früher, wenn wir aus dem Sommerurlaub gekommen sind. Aber offenbar hat die Taktik mit den durchgehend anwesenden Ersatzdosenöffnern funktioniert, zumal wir sehr gute Ersatzdosenöffner auftreiben konnten. Ein dreifaches Hoch auf Christine und Martin für die ausgezeichnete Betreuung von Wohnung und vierbeinigen Bewohnern! :-)

Wenn sich die erste Stresswelle mal gelegt hat, kommen wir hoffentlich auch bald dazu, die Nachbereitung der Reise anzugehen. Fast jeder, den wir wiedersehen, fragt uns, wann denn der Termin für die Fotopräsentation sei. Eigentlich sollte ja der Blog dazu dienen, alle Interessierten über die Reise zu informieren, so dass wir nachher nicht hundert Mal dieselben Geschichten erzählen müssen (die wir möglicherweise eh schon nicht mehr richtig wissen). Aber anscheinend würde es sich trotzdem lohnen, einen Vortrag zu erarbeiten, da das Interesse noch so groß ist. Dazu müssen wir uns aber erstmal durch unsere 16 GB Fotos kämpfen… Ich habe auch schon viele Rückmeldungen zu unserem Blog bekommen, wobei es zwei Fraktionen gibt: Die einen sagen, sie hätten an sich schon mitgelesen, aber die Beiträge wären immer viel zu lang zum Lesen gewesen, die anderen loben den flüssigen Erzählstil und die ausführlichen Schilderungen. Naja, die Lesemuffel hatten ja zumindest Flos Beiträge, die waren selten mehr als ein paar Sätze lang. ;-) Ich habe sogar schon mehrfach den Satz gehört: “Ich weiß gar nicht, was ich jetzt immer machen soll, wenn ich nicht mehr Blog lesen kann.” Das schmeichelt mir natürlich, ich fürchte nur, dass ich keine entsprechende Alternative anbieten kann. Das Leben als Psychologiestudentin ist nun mal leider nicht annähernd so aufregend wie das als Weltreisende, es wäre also sehr selbstverliebt von mir, den Blog als dauerhafte Einrichtung weiterzuführen. Oder würdet ihr ernsthaft über jede Sbahnverspätung auf dem Laufenden gehalten werden wollen? ;-)

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Finale dahoam!

Mit etwas Verspätung sind wir heute mittag gesund und (einigermaßen) munter in München gelandet und wurden sehr herzlich empfangen. Familie und Freunde haben uns mit einem großen Plakat und einer Bayernfahne entgegen gewunken – genau so habe ich es mir heimlich seit vielen Tagen gewünscht. Und weil sie mich kennen, hatten sie auch noch Brezn, Wiener und Spezi dabei. Ach wie hab ich das vermisst. Inzwischen haben wir angefangen unsere Taschen auszupacken und bei den Eltern zwischengelagerte Sachen zurück in unsere Wohnung gebracht. In der vorher noch so schön aufgeräumten Bude sieht es jetzt natürlich aus wie bei Hempels unter dem Sofa. Aber ankommen braucht eben seine Zeit. Und weil ich jetzt noch schnell unter die Dusche muss, bevor es zum (Schnitzel-)Essen geht, schreib ich auch gar nicht mehr. Ausführlicher macht das sicher die Leni, wahrscheinlich morgen.

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The Final Countdown

Nun ist es also tatsächlich so weit: Unsere Heimreise steht direkt bevor. In etwa sechs Stunden startet der Flieger in Bangkok, dann trennen uns noch 17 Stunden von München, unseren Familien und Freunden und unserem Zuhause. Bildlich gesprochen ist der riesige Eisberg Weltreise, der vor fünf Monaten vor uns aufragte und uns unendlich schien, zu einem kümmerlichen Eisklümpchen zusammengeschmolzen und wir können uns kaum vorstellen, dass er einmal so groß war. Und während wir uns unterwegs ja oft nach Hause wünschten und diesen letzten Tag herbeisehnten, mischt sich jetzt, wo es wirklich nach Hause geht, ein wenig Wehmut in die Vorfreude. Ein kleines bisschen schade finden wir es dann doch, dass unser Abenteuer nun vorbei ist, denn wie uns unzählige Male gesagt wurde: So etwas macht man nur einmal im Leben und daran werden wir uns unser ganzes Leben lang erinnern.

Der Vollständigkeit halber will ich aber noch ein paar Worte zu Kambodscha sagen, schließlich soll unser letztes Reiseland nicht vor lauter Heimreise untergehen. Wenn es nicht so furchtbar heiß und schwül gewesen wäre, hätten wir uns sicher gewünscht, weniger Vietnam und mehr Kambodscha gemacht zu haben. Denn was ich am Anfang schon mal als ersten Eindruck erwähnt habe, hat sich bestätigt: Die Menschen dort sind viel freundlicher und offener, man fühlt sich einfach wohler. Dabei ist Kambodscha ein bitterarmes Land und hat immer noch unter den Folgen der jahrzehntelangen Bürgerkriege und der vierjährigen Schreckensherrschaft der Roten Khmer in den 70er Jahren zu leiden. Trotzdem haben wir keine Feindseligkeit oder Missgunst gespürt, die Menschen waren ehrlich dankbar für unser Trinkgeld und haben nie von sich aus etwas von uns gefordert. Ganz anders war es in Vietnam, wo sich uns mehrmals jemand in den Weg gestellt hat und uns nur gegen ein Trinkgeld (das natürlich in solchen Fällen kein wirkliches Trinkgeld mehr ist) vorbeilassen wollte. Vielleicht ist es auch nicht richtig, immer Vietnam und Kambodscha zu vergleichen, aber wir hatten vorher eben gedacht, dass diese beiden Länder sich sehr ähneln würden und waren überrascht über die großen Unterschiede vor allem im zwischenmenschlichen Bereich. Ein letzter Vergleich  (ja, einmal vergleiche ich noch) macht das nochmal besonders deutlich. Wir hatten ja für unsere drei Tage Angkor einen Tuktukfahrer namens Mr. Theoun, der uns von unserem Hotel vermittelt worden war. Mr. Theoun fuhr uns aber nicht nur durch die Gegend, sondern hatte noch zusätzliche Serviceangebote in Form von gekühltem Wasser und Erfrischungstüchern auf Lager. Das Lustige war, dass seine Kühlbox aus einer Styroporkiste bestand, in die er morgens einen großen Eisblock legte. Der hielt den hohen Temperaturen aber natürlich auch nicht ewig stand, so dass die Wasserflaschen und Erfrischungstücherpackungen in der Kiste am Nachmittag immer wie Fische in einem Aquarium herumschwammen. Mr. Theoun bot uns also nach jedem einzelnen Tempel (und oft schon davor) Wasser an, auch wenn wir noch so oft versicherten, dass wir genug dabei hätten. Mir kam diese Beharrlichkeit irgendwann verdächtig vor, ich konnte nicht glauben, dass er wirklich so besorgt um uns war und vermutete, dass er uns am Ende eine Liste präsentieren würde, auf der jede Wasserflasche und jedes Erfrischungstuch genau abgerechnet würden. Denn – und nun kommt der Vergleich ins Spiel – ich hatte noch allzu gut den Rikschafahrer in Hanoi im Gedächtnis, der uns über den Tisch ziehen wollte. Wir hatten ihn für eine Fahrt um den Hoan Kiem See gebucht, weil wir einmal Rikscha fahren wollten, und (noch) gutgelaunt seinen Preis von 200.000 Dong akzeptiert, obwohl wir wussten, dass das viel zu viel war. Nach der Fahrt gab ihm Flo in einem Anfall von Großzügigkeit sogar noch 10.000 Dong Trinkgeld obendrauf, und ironischerweise wurde dem Rikschafahrer das zum Verhängnis. Er hielt uns nämlich plötzlich auf, als wir schon gehen wollten, und streckte uns drei Zehntausender hin. Erst nach einer Weile begriffen wir, dass er behauptete, wir hätten ihm statt Hunderttausender Zehntausender gegeben – diese beiden Scheine sehen sich tatsächlich sehr ähnlich. Flo hätte zwar nicht beschwören können, dass er die richtigen Scheine gegeben hatte, er wusste aber hundertprozentig, dass er zwei verschiedene Scheinarten gegeben hatte. Drei Zehntausender konnten also nicht stimmen. Als der Fahrer merkte, dass wir nicht auf seinen Trick hereinfielen, behauptete er in einem zweiten, sehr erbärmlichen Versuch, die 200.000 Dong seien pro Person gedacht gewesen, worauf wir uns gar nicht mehr einließen, denn das war nun wirklich zu offensichtlich. Unsere gute Laune aber war dahin. Diese negative Erfahrung übertrug ich nun auf unseren Tuktukfahrer – und tat ihm damit furchtbar Unrecht, denn am Ende verlangte er nur den vorher vereinbarten Preis und berechnete weder das Wasser noch die Tücher noch die Leckereien von den Straßenständen, die er uns gekauft hatte. Als wir den Gesamtbetrag von 74 Dollar auf 85 aufstockten, strahlte er richtig, bedankte sich immer wieder dafür, dass wir ihn drei Tage gebucht hatten (und ihn damit drei Tage vor bangem Warten auf Kundschaft bewahrt hatten) und meinte, wir würden damit seiner Tochter helfen. Dazu muss man wissen, dass viele Kambodschaner gerade mal ein Jahreseinkommen im dreistelligen Dollarbereich haben, 85 Dollar in dreieinhalb Tagen ist also ein sehr ordentlicher Verdienst. Aber wir gaben ihm das Geld natürlich sehr gern, denn er war einer der freundlichsten Menschen, die wir auf unserer Reise getroffen haben. Erfahrungen wie diese haben dazu geführt, dass wir Kambodscha in sehr positiver Erinnerung behalten und auch weiterempfehlen (allerdings nur, wenn man mit den zweifelsohne sehr niedrigen Standards bezüglich Infrastruktur, Hygiene etc. zurecht kommt).

So, jetzt steht noch ein letztes Abendessen im Hotel an, dann fahren wir zum Flughafen. Den nächsten Bericht – vielleicht schon so etwas wie eine abschließende Bewertung oder Interpretation, vielleicht nur ein Kommentar zu unserer Heimkehr – werde ich schon von zuhause aus schreiben. Auch wenn dies also noch nicht das endgültige Ende ist, sagen wir schon mal Danke an alle treuen Leser. Wir freuen uns auf euch! :-)

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Angkor What?

Gleich zu Beginn: Nein, dieses nette Wortspiel habe ich mir nicht selbst ausgedacht. Das ist der Name einer der angesagtesten Bars hier in der Stadt, quasi das P1 Siem Reaps. Aber es passt ganz gut, denn so standen wir zwischenzeitlich auch da. Wie die meisten Banausen dachten wir nämlich vor der Reise, dass es nur Angkor Wat gibt – diesen berühmten Tempel eben, den man von Bildern kennt. Das ist aber ganz schön falsch, denn Angkor umfasst ein riesiges Gebiet mit unglaublich vielen Bauwerken, von denen Angkor Wat nur eines ist, wenn auch das beeindruckenste und bedeutenste. Mal eben einen Nachmittag Angkor besichtigen? Vergiss es! Die typischen Programmpunkte für die Leute, die wirklich nur einen Tag Zeit haben, sind zumindest Angkor Wat, Angkor Thom und Ta Prohm. Letzterer ist mittlerweile auch als “Tomb Raider-Tempel” bekannt, weil Angelina Jolie alias Lara Croft im Film dort herumhüpft, war aber vorher schon eine Berühmtheit, weil die Archäologen dort ausnahmsweise den Dschungel Dschungel sein ließen und die Steine nicht bzw. kaum von den wuchernden Pflanzen befreiten. Vermutlich hat jeder schon mal ein Bild von den gigantischen Baumwurzeln gesehen, die die Gebäude des Ta Prohm umschlingen. Angkor Thom dagegen ist kein einzelner Tempel, sondern eine ganze Stadt, ähnlich wie Macchu Pichu.
Da wir uns aber drei volle Tage Zeit genommen haben, können wir noch viel mehr als diese Highlights sehen. Wir haben daher beschlossen, der Empfehlung im Reiseführer zu folgen und uns das Beste für den letzten Tag aufzuheben, um die ganzen kleineren Tempel nicht schon von vorherein als unbedeutend oder sogar langweilig abzustempeln. Denn natürlich können sie alle nicht mit Angkor Wat mithalten, sind einen Besuch aber trotzdem wert. Über unser Hotel haben wir uns für alle drei Tage ein Tuktuk samt Fahrer gemietet (wer’s nicht kennt: Tuktuks sind Mopeds mit einem Anhänger, in dem die Fahrgäste wie in einer kleinen Kutsche sitzen). So kommen wir relativ schnell und bequem von Ort zu Ort. Der Fahrer kennt sich natürlich aus, kann uns bei der Routenplanung helfen und sagt zu jedem Tempel noch ein, zwei erklärende Sätze. Mehr allerdings nicht, schließlich ist er ja Fahrer und nicht Guide, den hätten wir extra mieten müssen. ;-) So haben wir den ersten Tag gut rumgebracht. Es war trotz der hohen Temperaturen nicht zu anstrengend, weil wir ja zwischendurch immer wieder während der Fahrten Zeit zum Verschnaufen hatten und der Fahrtwind angenehm kühl war. Am härtesten wird aber vermutlich eh der dritte Tag, weil wir natürlich wie jeder anständige Angkortourist den Sonnenaufgang in Angkor Wat sehen wollen und dafür schon um fünf los(tuk)tuckern müssen. Seufz…
Ach, übrigens: Nur noch sechs Mal schlafen (fünfmal im Hotel und einmal im Flugzeug), dann sind wir wieder daheim! Die Vorfreude nimmt langsam seltsame Ausmaße an, denn am letzten Abend in Vietnam haben wir uns tatsächlich auf Youtube Auftritte von Fredl Fesl angeschaut und dabei von unserer oberbairischen Heimat Oberbayern geträumt. ;-) Aber wir sind ja jetzt erstmal noch gut mit Angkor beschäftigt und die allerletzten beiden Tage in Bangkok kriegen wir auch noch rum. Habe ich schon erwähnt, dass wir in Bangkok ein Zimmer mit Poolside gebucht haben und uns daher buchstäblich von unserer Terrasse in den Pool rollen können? :-D

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Good morning Vietnam – Good afternoon Cambodia

Nach drei Tagen Mekongdelta sind wir heute vormittag über die Grenze zwischen Vietnam und Kambodscha gefahren und bleiben jetzt eine Nacht in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh (ja, das schreibt man wirklich so komisch), bevor wir morgen mit dem Bus weiter nach Siem Reap fahren. Dort warten als letzter Programmpunkt unserer Reise die berühmten Tempel von Angkor auf uns.
Der Eindruck, den Vietnam auf uns gemacht hat, war über weite Strecken nicht besonders gut. Das lag zum einen am Wetter, denn Nordvietnam konnten wir allein schon vor lauter Frieren nicht richtig genießen. Zum zweiten waren die vom Reiseführer angepriesenen landschaftlichen Schönheiten für uns oft nicht erkennbar, z.B. wenn wir uns auf malerische saftiggrüne Reisfelder gefreut hatten und im Grunde nichts außer plastikvermüllte Matschfelder sahen. Und zum dritten muss man einfach sagen, dass wir mit den Menschen nicht warm geworden sind. Bei den allermeisten hatten wir das Gefühl, dass sie einzig und allein an unserem Geld interessiert sind und dass man für (unechte) Freundlichkeit in Vietnam immer Bares auf den Tisch legen muss. Natürlich gab es wohltuende Ausnahmen, aber insgesamt waren wir enttäuscht von dieser geldfixierten Grundhaltung.
Das hat sich jetzt auch nochmal sehr deutlich bei der Tour ins Mekongdelta gezeigt. Wir hatten uns von mehreren Agenturen Prospekte geholt, um die Angebote zu vergleichen. Fast alle Touren waren gleich aufgebaut: Busfahrt ins Mekongdelta, dann mit dem Boot rumfahren und jede Menge kleine Betriebe besichtigen, die alle möglichen Waren in Handarbeit herstellen – Süßwaren, Honig, Reisnudeln, Popcorn etc. Natürlich besteht das eigentliche Ziel solcher Besichtigungen immer darin, dass die Touristen am Ende die vorgestellten Waren kaufen. Nur eine einzige Tour hatte diese ganzen Besichtigungen nicht im Programm. Sie war zwar mit Abstand die teuerste, aber wir hatten keine Lust auf Kaffeefahrten und buchten daher diese Tour – für stolze 1,8 Millionen Vietnamesische Dong pro Person! Ok, dazu muss man sagen, dass der Dong einfach nullkommanix wert ist. ;-) Für einen Euro bekommt man etwa 28000 bis 29000 Dong. Aber das waren trotzdem immerhin 60 Euro pro Person für die Tour.
Nun, vielleicht könnt ihr es euch schon denken: Am nächsten Tag saßen wir im Bus Richtung Mekongdelta und hörten dem Tourguide zu, wie er das Tagesprogramm erläuterte – zuerst mit dem Bus in einen bestimmten Ort, dann mit dem Boot weiter zu einem Betrieb, der Kokosnusskaramell herstellt, dann zu einem, der Honigprodukte herstellt… In diesem Moment wurde uns klar, dass wir genau in so einer Tour gelandet waren, wie wir sie NICHT haben wollten, was wir auch dem Tourguide mitteilten. Dummerweise hatte dieser die bei Vietnamesen leider sehr verbreitete Angewohnheit, bei Problemen oder Beschwerden plötzlich nur noch ganz schlecht Englisch zu verstehen, behauptete aber wiederholt, dass das genau die Tour sei, die auch in unserem Prospekt beschrieben sei, nur dass wir quasi noch ein paar Extraprogrammpunkte mit dabei hätten. Uns drängte sich schnell der Verdacht auf, dass uns die Agentur ganz dreist in eine der billigeren Touren reingebucht und das restliche Geld hübsch selbst eingestrichen hatte. Schließlich hatte die Dame in der Agentur, die übrigens nur sehr schlecht Englisch sprach, am Telefon vietnamesisch gesprochen, so dass wir nicht verstehen konnten, was genau sie gebucht hatte. Aber jetzt war es zu spät, noch etwas zu ändern, und da wir weiter nach Kambodscha und nicht zurück nach Saigon wollten, konnten wir uns nach der Tour auch nicht mehr bei der Agentur beschweren.
Was folgte, war eine Odyssee! Am ersten Tag absolvierten wir eben jenes Programm und besichtigten alles, was zu besichtigen war. Was hätten wir auch sonst machen sollen. Am Abend nach 12 Stunden Tour, als sich alle nur noch eine Dusche und ein Bett wünschten, dann noch eine nette Überraschung: Das Hotel, zu dem wir eine halbe Ewigkeit im Bus hingekarrt worden waren, war schon voll, wir mussten also unser Gepäck wieder in den Bus zurück tragen und wurden in ein anderes Hotel geschafft. Dort hatten wir die nächste Diskussion mit unserem Tourguide, da nach seiner Aussage das Mittagessen am nächsten Tag extra zu bezahlen sei, wir aber laut unserer eigentlichen Tour das Essen schon mit dabei hatten und nach dem ganzen Ärger mit der völlig überteuerten Tour nicht bereit waren, nochmal fürs Essen zu zahlen. Er rief irgendwann ziemlich entnervt bei der Agentur in Saigon an, verlangte aber von uns, dass wir selbst unsere Forderungen stellen sollten. Natürlich konnte die Dame am Telefon nicht besonders gut Englisch, weshalb sich das Gespräch recht schwierig gestaltete. Am Ende hatte ich aber immerhin die Zusage, nichts für das Essen zahlen zu müssen, und die Versicherung, in der richtigen Tour zu sein, nur dass wir ja tollerweise noch mehr Programmpunkte hätten als im Prospekt beschrieben. Juchuu…
Am nächsten Morgen (Frühstück um 6) dann eine plötzliche Änderung: Wir wurden von unserer Gruppe getrennt und in eine andere gesteckt. Vielleicht sollte es so aussehen, als ob wir jetzt in die richtige Tour gebracht worden wären, ganz offensichtlich hatte der Guide aber einfach keine Lust mehr auf unsere Beschwerden. Mit dieser Gruppe besichtigten wir einen schwimmenden Markt und eine Reisnudelfabrik – wo wir unsere alte Gruppe wiedertrafen. Was für eine Augenwischerei! Ich will jetzt nicht alles im Detail aufzählen, aber so ging es weiter. Wir wurden nochmal anders gruppiert und trafen bei der Weiterreise nach Kambodscha wieder Leute, die in unserer ersten Gruppe gewesen waren, aber für das gleiche Programm viel weniger gezahlt hatten als wir.
Dieses Erlebnis zum Abschluss der Vietnamreise hat unseren Gesamteindruck, der durch die schönen Tage in Hoi An und Mui Ne etwas verbessert worden war, wieder gehörig nach unten gezogen. Wirklich schade! Offenbar verstehen die Menschen nicht, dass sie mit solchen Machenschaften dem Tourismus, der doch für sie und das Land wichtig ist, nur schaden. Oder es ist ihnen einfach egal.
Kambodscha dagegen macht einen guten ersten Eindruck. Wir hatten zwar heute nur Zeit, den Königspalast in Phnom Penh zu besichtigen und ein wenig durch die Straßen zu schlendern, aber ich habe das Gefühl, dass die Freundlichkeit der Menschen uns gegenüber hier erstens überhaupt vorhanden und zweitens ehrlicher ist als in Vietnam. Mal sehen, ob sich dieser Eindruck hält.

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Wüste Erlebnisse in Mui Ne

Wie schon in Neuseeland und Australien verläuft die Routenplanung auch in Vietnam nach dem immer gleichen Schema: Ich habe die Macht, denn ich habe das Wissen, denn ich habe den Reiseführer gelesen! :-D Flo ist damit zufrieden, sich Zusammenfassungen anzuhören und zu sagen, ob ihm die von mir vorgeschlagenen Punkte gefallen oder nicht. So war das auch bei Mui Ne. “Mit einer einzigen Kopfdrehung reist man von der Karibik in die Sahara.”, stand dazu im Reiseführer. Das klang interessant, das wollte ich sehen, Flo nickte, also fuhren wir hin. Aus dem Reiseführer hatten wir uns ein hübsches kleines Hotel am Strand rausgesucht (und seine Existenz im Internet nochmal kontrolliert, denn das Buch ist von 2004, da stimmt nicht mehr alles so ganz ;-) ). Bei der Ankunft fühlten wir uns sofort an Fiji erinnert, denn die Anlage besteht aus ein paar Bungalows mit Schlafzimmer und Bad und ist wunderschön mit Palmen und Blumen bepflanzt. Dazu der Strand und das Meer – Urlaubsidylle.
Das Besondere an dem Gebiet rund um Mui Ne (das eigentlich nur ein Fischerdorf ist, dessen Name aber in Touristenkreisen auch für den nahegelegenen kilometerlangen Strand steht, an dem sich ein kleines Hotel ans andere reiht), sind aber die Sanddünen, die sich quasi direkt an den Strandabschnitt anschließen. Sie sind in zwei Farben erhältlich, nämlich weiß und rot, und bieten einen faszinierenden Kontrast zum palmenbestandenen Badestrand am blauen Meer. Man hat also tatsächlich Karibik und Sahara nebeneinander. Allerdings sind wir für richtigen Badeurlaub zur falschen Zeit gekommen, denn im Februar und März gibt es an der Küste starke Winde und dementsprechend hohe und kräftige Wellen. Ideale Bedingungen für Surfer und Kitesurfer, die sich denn auch scharenweise auf dem Wasser tummelten und immer noch bessere Tricks vollführen wollten als die anderen. Sehr unterhaltsam!  :-)
Um nun auch wirklich an die Sanddünen ranzukommen, buchten wir eine Tour, die originellerweise “Sanddünentour” heißt. Wir hatten die Wahl zwischen Sonnenaufgang in den Dünen erleben (Start 5 Uhr morgens) oder Sonnenuntergang in den Dünen erleben (Start 2 Uhr nachmittags). Die Entscheidung fiel uns nicht schwer… Eigentlich hatten wir eine geführte Tour erwartet, es wurde aber mehr eine gefahrene Tour, denn die einzige Aufgabe unseres Begleiters bestand darin, uns zu den einzelnen Orten zu fahren, aus dem Jeep zu werfen und nach soundsoviel Minuten wieder einzusammeln. Keine Erklärungen, keine Hinweise, schon gar keine Führung, wir mussten alles alleine gehen. Immerhin war das ausgezeichnet fürs Gruppenklima, denn wir und unsere Mitteilnehmer haben uns schnell zusammengeschlossen, als wir das erste Mal ausgesetzt worden waren und drauflos marschieren mussten.
Die Sanddünen waren aber trotzdem ein Erlebnis, es war wirklich wie in der Wüste. Wir haben Sandberge erklommen und sind wieder runtergehüpft, wobei wir bis zu den Knien in den warmen Sand eingesunken sind. Man hätte auch Quad fahren können, aber wir hatten kein besonderes Interesse daran, vor allem, weil die Dinger nicht gerade neu aussahen und einen Höllenlärm gemacht haben. Unangenehm war allerdings der starke Wind, der die ganze Zeit über die Dünen gefegt ist und uns von oben bis unten paniert hat. Es war dazu noch ziemlich warm und wir haben dementsprechend geschwitzt, weshalb der Sand natürlich noch viel besser an uns kleben geblieben ist. Wir hatten Sand in den Augen, in den Ohren, im Mund (das knirscht dann zwischen den Zähnen). Naja, so ist das eben in der Wüste. Und wir konnten uns ja mit dem Gedanken trösten, dass bei der Rückkehr eine Dusche auf uns warten würde. Der Sonnenuntergang war leider nicht besonders spektakulär, aber doch irgendwie lustig, denn die Sonne ist zuerst relativ früh hinter einem Wolkenband verschwunden. Wir wollten daraufhin schon gehen, weil wir dachten, das sei es gewesen, als  sie plötzlich vor den Wolken wieder rausgekommen ist (was nicht zu erwarten war, weil die Wolken bis zum Horizont reichten) und dann quasi zum zweiten Mal und diesmal wirklich hinter den Dünen untergegangen ist. Ach ja, was ich bisher noch nicht erwähnt habe: Es waren mit uns sieben Teilnehmer für die Tour, der Jeep hatte aber nur fünf Sitze (plus Fahrersitz). Wir saßen also während der Fahrt jeweils zu dritt auf zwei Sitze gequetscht. Eine besonders schöne Art der Völkerverständigung: Chinesen und Hongkonger sitzen Schulter an Schulter, Niederländer und Deutsche reiben ihre sandigen Knie aneinander – herrlich!
Heute mussten wir uns dann aber schon wieder von Mui Ne verabschieden, denn Saigon/Ho Chi Minh City erwartete uns. Welche Bezeichnung jetzt die bessere ist, haben wir noch nicht rausgefunden. Offiziell heißt die Stadt ja schon seit einer Weile Ho Chi Minh City (nach dem bedeutenden vietnamesischen Politiker und Präsidenten Ho Chi Minh), auf vielen Schildern, Fahrplänen etc. findet man aber immer noch den alten Namen Saigon und auch die Vietnamesen selbst sind sich wohl nicht ganz einig, denn wir haben schon beides gehört. Vermutlich sind wir nur zwei Nächte hier und brechen dann zu einer mehrtägigen Tour durchs Mekongdelta auf, an deren Ende die Weiterreise nach Phnom Penh in Kambodscha stehen wird. Wir haben allerdings noch nicht endgültig entschieden, ob wir zwei oder drei Tage Mekongtour machen wollen, das klären wir dann morgen.
Während ich diesen Beitrag schreibe, sieht sich Flo das Sonntagsspiel der Ersten Fußballbundesliga im vietnamesischen Fernsehen an. ;-) Ja ja, deutscher Fußball ist einer der größten Exportschlager. Wir haben auf der ganzen Welt Fans getroffen und das häufigste, was wir als Antwort auf unsere Aussage, aus München (oder auch nur aus Deutschland) zu stammen, hörten, war “Aah, Bayern München!”. Den zweiten Platz teilen sich dann übrigens das Oktoberfest und – wer hätte das gedacht – Schloss Neuschwanstein! Auch wenn das bisher kein einziger richtig aussprechen konnte…

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Same same but different

Bisher habe ich kaum etwas von den Beobachtungen bezüglich des Alltagslebens in Vietnam berichtet, die wir gemacht haben. Das möchte ich nun nachholen. Wir hatten zwar (noch) keinen engeren persönlichen Kontakt, aber mit offenen Augen und Ohren durch die Straßen zu gehen reicht schon, um einen Eindruck zu bekommen.
Laut Reiseführer sind die drei wichtigsten Dinge im Leben eines Vietnamesen die Ahnenverehrung, das Geschäft und die Familie, und zwar in dieser Reihenfolge. Das können wir nur bestätigen. Ob Souvenirladen, Restaurant/Garküche oder Hotel – immer sind es Familienbetriebe, bei denen von der Oma bis zum Teenager alle mithelfen. Oft genug sind die Läden quasi der erste Raum des Hauses, in dem die ganze Familie lebt. Und oft genug ist es der mit Abstand größte Raum und den Menschen bleibt selbst nur noch ein Zimmerchen, in dem alle schlafen. Daher sind z.B. oft Fernseher in einer Ecke des Raumes aufgebaut, vor denen sich die Familie versammelt, wenn gerade kein Kunde zu bedienen ist (oder wenn sie beschließt, dass jetzt eben mal kein Kunde bedient wird). Obligatorisch ist auch ein kleiner Altar mit Götterstatuen, Räucherstäbchen und Lebensmitteln, die als Opfer gebracht werden. Um diese Altäre wird sich mit Hingabe gekümmert, immer frisches Obst, immer glimmende Räucherstäbchen. Ahnenverehrung hat eben Priorität.
Da die Menschen oft so beengt wohnen, spielt sich der größte Teil des Alltagsleben buchstäblich auf der Straße ab. Es gibt zwar meistens Gehwege in den Städten, als Fußgänger muss man aber trotzdem auf der Straße gehen, weil die Gehwege für alles andere genutzt werden, nur nicht für ihre eigentliche Bestimmung. Oft sieht man den Boden nicht mehr vor lauter Mopeds, die dort geparkt werden, und Plastikstühlchen, auf denen die Einheimischen sitzen und reden, essen, schlafen, rauchen oder mit was man sich sonst so den Tag vertreibt, während man auf Kunden für sein jeweiliges Geschäft wartet.
Ich war zu Beginn in Hanoi überrascht über das idyllische Vogelgezwitscher, das trotz Verkehrslärm überall zu hören war – bis ich herausfand, woher es kommt: Über fast jeder Eingangstür hängen winzige Vogelkäfige, in denen jeweils ein bis zwei Vögel gehalten werden. Erstaunlicherweise singen die meisten trotz ihres beengten Lebensraumes sehr eifrig. Als Dekoration verbreitet sind auch Aquarien mit Fischen, die aber oft viel zu klein für ihre Bewohner sind. Tierfreunde sollten da besser die Augen schließen.
Ein nicht besonders ästhetisches, aber dennoch wichtiges Thema sind die – sagen wir mal – sanitären Einrichtungen. An schmutzige Toiletten und fehlendes Klopapier haben wir uns ja schon in Südamerika gewöhnt, aber öffentliche asiatische Toiletten setzen da nochmal eins drauf. Wobei von draufsetzen eben gerade nicht mehr die Rede sein kann, denn es gibt oft keine Kloschüsseln, sondern nur in den Boden eingelassene Porzellanbecken mit Loch in der Mitte und Platz für die Füße links und rechts. Selbsterklärend, wie die benutzt werden müssen. Das ist natürlich für Frauen deutlich mühsamer als für Männer und setzt eine gewisse Gelenkigkeit voraus. ;-) Das beste ist aber die “Klospülung”: Nix mit Knopf drücken und Wasser kommt, nein, selber schöpfen ist angesagt! In der Deluxeversion hat jede Kabine ihr eigenes Wasserfass, normalerweise gibt es aber ein großes Wasserfass für alle Kabinen. Zu dem geht man dann nach getaner Arbeit und holt sich eine Schöpfkelle voll Wasser, um nachzuspülen. Da die meisten das offenbar recht schwungvoll machen, ist der Boden solcher Toiletten eigentlich immer nass. Man sollte daher nicht allzu dünnes Schuhwerk tragen, um nicht direkt in der Pfütze stehen zu müssen. Auch die Duschen sind recht interessant, denn es gibt häufig keine Duschkabinen, sondern nur einen Duschkopf mit Schlauch im Bad und einen Abfluss im Boden. Heißt: Vor dem Duschen alles, was nicht nass werden soll, aus dem Bad räumen und nach dem Duschen erstmal warten, bis das Wasser einigermaßen abgelaufen ist, bevor man das Bad wieder nutzen kann. Das hatten wir jetzt schon mehrmals in unseren Unterkünften und ich muss sagen, es ist ziemlich nervig. Ich hatte ja eigentlich gedacht, ich hätte schon genug Bescheidenheit auf der Reise gelernt und wüsste alle vorher so selbstverständlichen Dinge zu schätzen. Nun, ich hatte mich geirrt, denn jetzt freue ich mich auch noch über Kloschüsseln und Duschkabinen. Welch glückliches Leben liegt da vor mir… ;-)

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Wärmer…Noch wärmer…Heiß!

In Hanoi haben wir gefroren, in Hue wurden wir durch permanenten Nieselregen aufgeweicht – und jetzt schwitzen wir in der schwülen Hitze Hoi Ans. Das alles innerhalb einer Woche! Wir haben im Vorfeld schon viel über den Wolkenpass gelesen, der über eine Bergkette ein Stück südlich von Hue führt. Diese Bergkette wurde dabei immer als “Wetterscheide” bezeichnet, da sie den kühlen Norden vom heißen Süden trennt. Aber dass es wirklich so ein deutlicher Unterschied werden würde, hätte ich nicht gedacht. Von Hue, die in Reiseführern gerne “Alte Kaiserstadt” genannt wird, obwohl es Kaiser dort nur im 19. und 20. Jahrhundert gab (also für europäische Verhältnisse beim besten Willen nicht alt), sind wir mit dem Zug über den Wolkenpass nach Da Nang gefahren. Die Zugstrecke gilt als eine der schönsten der Welt und wir haben uns sehr darauf gefreut. Nur leider saßen wir auf der rechten Seite, die tolle Aussicht vom Berg auf die Küste mit karibikartigen Stränden gab es aber nur auf der linken Seite. Dort saßen auch noch lauter Einheimische, denen ihr Schönheitsschlaf eindeutig wichtiger war als die Aussicht, denn die meisten hatten zum Schutz vor der Sonne die Vorhänge zugezogen und schliefen. Uns blieb also nichts anderes übrig als unsere Hälse möglichst weit zu verdrehen und irgendwie zwischen den Vorhangspalten durchzuschauen. Und beim Aussteigen traf uns dann die Hitzekeule mit voller Wucht, obwohl es im Zug schon furchtbar warm gewesen war. Kennt ihr das Gefühl, gegen eine Mauer aus heißer Luft zu rennen? So war das. Die ganze Hitze, die wir in Nordvietnam so vermisst haben, hat sich anscheinend hinter dem Wolkenpass versteckt und ist dann bei unserer Ankunft in Hoi An schnell vorgesprungen (ich bilde mir ein, ich hätte sogar ein fröhliches “Überraaaschung!” gehört…). Jetzt sind also wieder kurze Klamotten, Hut und Sonnencreme angesagt.
Hoi An, eine halbe Stunde Taxifahrt von Da Nang entfernt, ist die schönste Stadt, die wir bisher in Vietnam gesehen haben. Es ist ein relativ kleiner Ort, viel weniger Verkehr (zumindest was Mopeds angeht – hier dominieren die Fahrradfahrer), alles etwas gelassener. Noch vor zwanzig Jahren war der Ort laut meinem Reiseführer alles andere als eine Touristendestination, mit vermüllten Straßen und ohne ein Hotel oder Restaurant. Da in der Altstadt aber noch sehr viele Häuser aus der Kolonialzeit erhalten sind, kamen immer mehr Touristen, was wie immer Vor- und Nachteile hat. Vorteile: Die Stadt ist heute vergleichsweise sauber, es liegt kaum noch Müll rum und alles ist sehr gepflegt. Viele der alten Häuser, die schon recht verfallen waren, wurden renoviert und wieder hergerichtet. Nachteile: Alles ist auf den Tourismus ausgerichtet, ungefähr 95% der Häuser haben im Erdgeschoss ein Restaurant oder einen Souvenir- oder Schneiderladen. Ja, richtig gelesen: Hoi An ist die Stadt der Schneidereien, in den Straßen der Altstadt reiht sich eine an die andere. Aber anscheinend gibt es genug Kunden für die vielen (selbsternannten?) Schneider. Und ich gestehe: Auch wir haben die Gelegenheit genutzt und uns etwas schneidern lassen. Ein Jackett für Flo, eine weiße Bluse für mich – hey, maßgeschneidert für zusammen 70 US Dollar (etwa 50 Euro), versucht das mal bei uns! Am ersten Tag vormittags Stoffe und Schnitte aussuchen und Maß nehmen lassen, am gleichen Tag abends anprobieren und Details klären, am nächsten Tag fertiges Kleidungsstück abholen. Die Sachen sitzen gut und fühlen sich gut an, wenn sie dann vielleicht nicht ewig halten werden, was soll’s. Aber Hoi An ist auch noch für eine zweite Sache berühmt: Lampions und Laternen. Die ganze Stadt ist damit behängt, über jede Straße spannen sich Girlanden und vor jedem Haus baumeln welche. Die meisten sind rund oder oval und mit bunten Stoffen bespannt. Das sieht schon tagsüber schön aus, richtig toll wird es aber nachts, wenn diese ganzen bunten Lampions im Dunkeln leuchten. Besonders schön sind die Stände, die selbige verkaufen, denn die sind natürlich vollgestopft damit und leuchten dann nachts in allen Farben. Zusätzlich spiegeln sich die Lichter auch noch in dem Fluss, der durch Hoi An fließt. Abends sammeln sich dort Kinder und alte Frauen, die bunte Papierschiffchen mit Kerzen drin verkaufen, die man auf dem Fluss schwimmen lassen kann. Wir haben auch zwei Schiffchen auf die Reise geschickt, ein blaues und ein rotes. Sie sind zwar im Vergleich zu anderen Schiffchen nicht besonders weit gekommen, bevor die Kerzen ausgingen und man sie nicht mehr sehen konnte, aber sie sind die ganze Zeit eng nebeneinander geschwommen. Dabei hatte ich meins früher losgeschickt, aber Flo hat mich eingeholt und ist dann neben mir geblieben. Ein gutes Zeichen, oder? ;-) Also, wenn ihr mal nach Vietnam kommt, dann schaut euch Hoi An an. Es mag kitschig sein mit diesem Überfluss an Lichtern, aber es ist einfach schöön.
Morgen geht’s dann mit dem Nachtbus weiter nach Nha Trang. Eigentlich wollten wir von Hoi An noch weiter südlich nach Mui Ne fahren, wo es einen der schönsten Strände Vietnams gibt, an den sich rote Sanddünen wie in der Wüste anschließen, aber das wären 19 Stunden Busfahrt gewesen. Daher haben wir eine Nacht Aufenthalt in Nha Trang eingeschoben, damit es nicht ganz so schlimm wird. Nha Trang gehört auch zu den beliebtesten Reisezielen Vietnams, dann schauen wir es uns eben einen Tag an, auch wenn es uns im Vorhinein nicht besonders gereizt hat. Es ist halt ein typischer Badeort mit Strandpromenade etc., soll aber leider sehr von russischen Urlaubern dominiert sein. Ich sage leider, weil ich in der Türkei einen Eindruck von russischen Badeurlaubern bekommen habe – und das war eben kein guter Eindruck. Aber man wird sehen. Und dann fahren wir wie gesagt weiter nach Mui Ne und von dort nach Ho Chi Minh City. Und schon ist die Vietnamreise rum und es bleiben noch ein paar Tage Kambodscha und zwei Nächte Bangkok.
Um ehrlich zu sein: Wir sind froh darüber! Denn mittlerweile haben wir die Lust am Reisen verloren und können uns kaum noch auf das freuen, was noch vor uns liegt. Ich ertappe mich mehrmals täglich dabei, wie ich die Tage zähle, die noch bleiben, und mir wünsche, es wären weniger. Ja, wir möchten nach Hause! Das ist natürlich nicht gerecht gegenüber Vietnam (und Kambodscha), denn wir sind weniger offen für die tagtäglich neuen Eindrücke und haben weniger Motivation, uns darauf einzulassen, als das bei den anderen Ländern der Fall war. Aber nach über vier Monaten Reisen ist uns nun quasi auf den letzten Metern die Puste ausgegangen und alles ist sehr, sehr anstrengend: Route planen, Unterkünfte buchen, Sehenswürdigkeiten raussuchen – wie angenehm wäre es doch zuhause in der eigenen Wohnung mit all den vertrauten Dingen… Wir machen aber trotzdem weiter und versuchen, noch so viel wie möglich mitzunehmen, damit wir nicht hinterher das Gefühl haben, die Zeit nicht genutzt zu haben. Es sind ja wie gesagt nur noch zwei Wochen. Und für Bangkok haben wir ja eh schon beschlossen, uns ein Hotel möglichst nahe am Flughafen zu nehmen und einfach gar nichts mehr zu machen. Keine Ausflüge, keine Stadtbesichtigung, nur noch mentale Vorbereitung auf zuhause. Und schlafen! Hm, vielleicht lässt sich das ja sogar verbinden… ;-)

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Winterliches Vietnam

Vielleicht habt ihr in Deutschland auch etwas von den asiatischen Neujahrsfeierlichkeiten gehört. Während nach dem Sonnenkalender, den wir verwenden, das neue Jahr immer am ersten Januar beginnt, findet dieses Ereignis nach dem Mondkalender irgendwann zwischen Mitte Januar und Mitte Februar statt. Dieses Jahr war es am 31. Januar so weit: Das Jahr des Pferdes begann. Ich bin übrigens auch in einem Jahr des Pferdes geboren, also wird 2014 hoffentlich ein besonders glückliches Jahr. :-) Wir waren am 31. Januar zwar noch in Australien, haben es aber trotzdem mitbekommen, da es in Australien viele Menschen asiatischer Abstammung gibt. Vor allem Sydney war voll von Plakaten und Bannern, die Straßen waren bunt geschmückt und es gab Paraden und Feierlichkeiten.
Warum ich das jetzt erzähle? Weil dieser Jahreswechsel nach dem Mondkalender auch unsere Reise beeinflusst hat. Wir haben im Vorfeld schon den Hinweis bekommen, ja nicht zum Tetfest nach Vietnam zu fahren, denn dieses Fest wird traditionell mit der Familie gefeiert. Da die meisten Städter dazu aufs Land zu ihren Verwandten fahren, sind die Städte fast ausgestorben, Hotels und Läden geschlossen, Busse und Züge ausgebucht, es herrscht quasi Ausnahmezustand. In Hanoi z.B. verbleiben zur Zeit des Tetfestes gerade mal 20 Prozent der Einwohner. Wir haben daher bei der Reiseplanung darauf geachtet, so viel Abstand wie möglich zu halten, und sind erst eine Woche nach dem Tetfest nach Vietnam gereist. Zwar immer noch nicht optimal, aber der Zeitplan der gesamten Reise hat nun mal ergeben, dass wir genau zu dieser Zeit in Vietnam sind.
Naja, selbst wenn so viele Leute weg waren – als wir in Hanoi ankamen, waren die auf jeden Fall alle schon wieder da. In der Stadt gibt es übrigens sieben Millionen Einwohner und sechs Millionen Mopeds und Motorräder (kein Scherz, das sind die offiziellen Zahlen). Da das Tetfest aber eben nur kurze Zeit zurück lag, waren die Straßen alle noch geschmückt und rund um den Hoan Kiem See im Zentrum Hanois waren wunderschöne Blumenbeete aufgebaut. Abends wurde es dann nochmal toller, als die vielen Lichterketten in allen Farben leuchteten und blinkten. Im Fotoalbum könnt ihr euch ein paar Fotos dazu ansehen. Es hatte also durchaus Vorteile, direkt nach dem Tetfest hier zu sein.
Von Nachteil ist es allerdings dann, wenn man die Parfümpagode besichtigen will – und wie ich im letzten Beitrag schon geschrieben hatte, wollten wir das. Der Beginn des neuen Jahres nach dem Mondkalender ist nämlich die Zeit, in der die vietnamesischen Pilger Richtung Parfümpagode aufbrechen, um den Göttern ihre Wünsche für das kommende Jahr vorzubringen und Segen zu erbitten. Die unter dem etwas irreführenden Namen Parfümpagode zusammengefassten Tempel und Pagoden (insgesamt 15 Stück) auf dem Berg Huong Tich gehören zu den wichtigsten buddhistischen Stätten in Vietnam. Als wir in unserem Guesthouse in Hanoi den Ausflug dorthin gebucht haben, gab die Besitzerin denn auch zu bedenken, dass es dort momentan sehr voll sei und empfahl uns, den Berg nicht auf dem Pilgerpfad zu besteigen, sondern die Seilbahn bis zum Gipfel zu nehmen. Da haben wir nicht Nein gesagt… ;-) Um nicht vollkommen außer Form zu geraten, haben wir uns aber zumindest dazu entschieden, hinunter zu gehen und nicht zu fahren. Das Besondere an diesem Berg ist, dass er nur per Boot erreicht werden kann, es gibt keine Straße dorthin. Als wir mit unserer Reisegruppe dann in einem der typischen Blechboote saßen und Richtung Berg gerudert wurden, merkten wir nach und nach, dass außer uns tatsächlich nur Einheimische unterwegs waren. Ich hätte ja gedacht, dass alles voll mit Touristen wäre, aber da habe ich wohl die Touristenzahlen Vietnams um diese Zeit etwas überschätzt. Wie schon erwähnt ist hier auch gerade Winter und es ist für vietnamesische Verhältnisse bitterkalt. In unserem Guesthouse gab es nicht mal eine Heizung, weil es normalerweise einfach nicht so kalt wird. Wir haben aber in der letzten Nacht dort zumindest einen Heizstrahler ins Zimmer gestellt bekommen, da mussten wir dann nicht ganz so frieren. Aber zurück zur Parfümpagode. Die größte Attraktion dort waren tatsächlich – wir! Zumindest für die einheimischen Pilger und Besucher, von denen wir ganz unverhohlen bestaunt wurden. Vor allem die Kinder rissen bei unserem Anblick die Augen auf. Unser Guide erklärte uns, dass viele der Menschen aus ländlichen Gegenden hierhergekommen seien und nun möglicherweise zum ersten Mal einen Ausländer sähen. Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. (Am Tag zuvor war Flo allerdings auch in Hanoi schon zu einem kleinen Star avanciert und wurde sogar um ein Foto gebeten, aber ich dachte, das läge eben an den blonden Haaren und blauen Augen.) Ein Mitreisender aus den USA war in kurzen Hosen aufmarschiert – Begründung: die langen Hosenbeine dranzumachen war ihm zuviel Arbeit gewesen – und wurde schnell zur Zielscheibe für allerlei Scherze und Spott, die uns unser Guide aber nur teilweise übersetzte. ;-) Es war aber auch ein lustiger Anblick, schließlich hatten sich alle anderen so fest wie möglich in ihre Jacken und Schals gewickelt. Auch als wir nach dem Besuch der Grotte auf dem Gipfel des Berges wie geplant zu Fuß wieder runtergingen (was überhaupt kein Problem war, denn es war viel weniger los als befürchtet), folgten uns die Blicke der vielen Verkäufer, die ihre Stände entlang des Weges aufgebaut hatten. Wer Englisch konnte, rief uns ein begeistertes “Hallo” entgegen und strahlte anschließend voller Stolz, wenn wir den Gruß erwiderten. Was für eine seltsame Erfahrung!
Am nächsten Tag ging es ja dann in die Ha Long Bucht, ein UNESCO-Weltkulturerbe und laut Reiseführer einer der Höhepunkte Vietnams. Wir hatten einen zweitägigen Ausflug mit Übernachtung auf dem Boot gebucht. Mit den vielen schlechten Bewertungen im Hinterkopf, die wir vorher im Internet über derartige Touren gelesen hatten, waren wir wirklich positiv überrascht, denn wir hatten eine kleine, aber feine Kabine mit schön hergerichtetem Bett, und auch der Speisesaal (wenn man den Raum mit vier Tischen so nennen kann) war sauber und nett dekoriert. Das einzige Problem war auch hier wieder das Wetter, denn auch das Boot war nicht für so niedrige Temperaturen ausgelegt. Zwar konnten die Klimaanlagen in den Kabinen auch heizen, aber da Türen und Fenster nicht wirklich dicht waren, zog ständig wieder kalte Luft rein und wir froren leider auch in dieser Nacht. Die Ha Long Bucht selbst erlebten wir natürlich auch nicht so, wie wir sie vorher schon auf unzähligen Plakaten und Werbebildern gesehen hatten – es fehlte einfach die Sonne. Die ganze Zeit über war der Himmel grau bewölkt und Nebelschwaden zogen zwischen den Felsen umher. Dadurch entstand aber eine ganz eigene, mystische Stimmung: Da der Unterschied zwischen Himmel und Meer nicht genau auszumachen war, schienen die Felsen zu schweben, sie tauchten lautlos aus dem Nebel auf und verschwanden wieder. Überhaupt war es beeindruckend still – vor allem, wenn man zuvor drei Tage in Hanoi verbracht hat.
Gestern sind wir dann mit dem Nachtbus von Hanoi nach Hue gefahren und bleiben nun zwei Nächte hier. Es ist zwar nicht mehr ganz so kalt wie in Hanoi, dafür nieselt es ununterbrochen. Auch nicht so toll. Aber unser Hotelzimmer ist umso schöner, für umgerechnet dreißig Euro pro Nacht haben wir ein riesiges Zimmer mit sauberem Bad, richtiger Dusche, heizender Klimaanlage und einem rosenblätterbestreuten Handtuchschwan auf dem Bett (Valentinstag lässt grüßen :-) ) Das ist zwar zugegebenermaßen über unserem selbstgesetzten Budget, aber nach der Friererei in Hanoi hatten wir einfach keine Lust mehr auf zugige Guesthousezimmer. Also genießen wir den Aufenthalt hier im Serene Palace (hübscher Name, gell?) jetzt eben umso mehr.

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